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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Modenhäuser Tiedtke / Hartmann / Rudolph / Kehmstedt



Verwaltung
28.01.2012, 22:48
In der Breiten Straße 97/98 waren im Lauf der Jahrhunderte einige bekannte Modehäuser ansässig.

Seit 1819 gab es das Modenhaus Tiedtke (Nachfolger der Fa. L. Grimme)
Das Hauptgeschäft befand sich in der Breite Straße 98
Die Filiale in der Bahnhofstraße 4 (heutige Rosentorstraße).
Bis 1933 hatte die Bahnhofstraße diesen Namen. Danach wurde sie umbenannt.
Die Fotografie, deren Fotograf unbekannt ist, stammt vermutlich aus der Zeit um 1890.
Der Zeitpunkt der Werbung ist nicht genau einzugrenzen.
Um 1900 herum zog Tiedtke in die Bahnhofstraße 4 um (Standort Breite Straße wurde aufgegeben) und baute 1912 ein neues Geschäftshaus im Jugendstil (siehe Bild). In diesem Haus residierten später das "Möbel- und Bettenhaus Karstadt" (das gab es 1975 noch) und später "Stephanie" und heute (2012) ein Hörgeräteakustiker.

Das Modenhaus Hartmann wurde 1904/1905 errichtet und war damals ein moderner "Kaufpalast", der sich durch viel Glas und Stuck auszeichnete.
Der Fotograf war Hans Udolf, die Aufnahme stammt vermutlich aus dem Jahr 1910.
Die Anschrift lautete: Breite Straße 97.

1909 übernahm Max Rudolph die bestehende Manufaktur- und Modewarenfirma Hartmann und firmierte es in das Modenhaus Rudolph in der Breiten Straße 97 um.
1933/1934 vereinigte Max Rudolph die beiden Häuser Nr. 97/98 zu einem Textilwarenhaus.
Der Fotograf des Fotos ist unbekannt, die Aufnahme stammt vermutlich aus dem Jahr 1936.
1955 hatte das Modenhaus Rudolph zwei Adressen:
Das Haupthaus in der Breiten Straße und eine Filiale in der Fischemäkerstraße 11.

Das Modenhaus Rudolph gibt seine Gründung an mit "seit 1801".
Es feierte im Jahr 1955 somit den 154. Geburtstag.
Wo das Modenhaus ansässig war, bevor es in der Breiten Straße das Modenhaus Hartmann übernahm, weiß ich leider nicht.

Das Modenhaus Rudolph mußte dem ehrgeizigen Projekt Tessners der "Kaiserpassage" weichen
und wurde - um dafür Platz zu schaffen - 1993 abgerissen.
Die Kaiserpassage wurde dann, nach 10jähriger Vorbereitungsphase (inkl. 32monatiger Bauzeit), am 24. April 1996 eröffnet.
Quelle bzgl. des Abrisses:
http://www.goslar.de/strassenverzeichnis/index.php?id=39


Modenhaus Tiedtke

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Modenhaus Hartmann

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Modenhaus Rudolph

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Noch nicht erwähnt wurde das Modenhaus Paul Kehmstedt
in der Breiten Straße 100/101, das ebenfalls um 1900 herum
existierte. Von der Telefonnummer her würde ich die
Werbung um 1887/1888 anordnen
(Grund: Hottenrott erhielt im Mai 1887 einen Fernsprechanschluß mit
der Nummer 11. Die Fernsprechnummer 14 in der u.g. Werbung dürfte
kurz darauf eingerichtet worden sein).

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[I]Bild mit Werbung sowie der Telefonbuchauszug stammen aus dem Jahr 1955.
Danke an uwe unten, der uns diese Bilder zur Verfügung stellte.


Werbeanzeige gesehen im Telefonbuch aus dem Jahr 1900

Die Firma F. Tiedtke wurde 1819 gegründet unter dem Namen "D. Grimme & Co."
Später wurden daraus die Modenhäuser Hartmann / Kehmstedt / Rudolph

Firmenanschriften von Tiedtke
Hauptgeschäft: Breite Str. 98
Filiale: Bahnhofstr. 4 (heute Rosentorstraße)
Fernsprecher Nr.: 18
Tiedtke war Mitglied im Verband Deutscher Kurzwaaren- und Posamenten-Geschäfte.

Monika Adler
16.07.2012, 00:14
Da habe ich eine Frage; weiss jemand etwas ueber das ganz kleine Kurzwaren Geschaeft Breite Strasse Ecke Vorwerkstrasse,das war in den 50igern und der Laden war daemmerig und etwas staubig. Ich wusste den Namen nie und er ist auch nicht mehr da.Dann gab es noch einen Kleinen Kurzwaren Laden in der Fischemaeker str, in der Naehe der Baeckerei Schachtebeck. Der war auch so vollgestopft und hatte schoene Webbaender per Meter zu kaufen. Da habe ich noch ein Breites Band mit lila Blumen, was ich zu einem Gitarrenband machte. Ich habe es heute noch. Im Modehaus Rudolph
gab es auch "Nessel" zu kaufen .Das brauchten wir mal fuer den Handarbeitsunterricht.
Kennt jemand den Stoff noch? Spaeter lernte ich , dass Nessel wirklich aus Nesseln gemacht wurde. Es war die Baumwolle der aermeren Leute.gruesse, Monika

ManicMiner
30.04.2013, 11:31
Scan aus einer Wanderkarte. Habe versucht, das Bild etwas schärfer zu bekommen, ist bei Prospekten aber schwer.

märklinist
02.05.2013, 09:50
Ja, die hatten eine gute Auswahl. Gleich zu Beginn der achtziger Jahre kaufte ich dort etwas für meine damalige Freundin, später Ehefrau etwas zu Weihnachten. Und als der Rudolph schloss, kaufte ich ihr dort günstig Abendgarderobe zu an einem wahnsinnig günstigen Preis. Auch meine Eltern waren dort früher Kunden, an C&A war ja in Goslar noch nicht zu denken. Schade eigentlich, das es diese Art von Geschäften kaum noch gibt.
In den sechziger Jahren brannte mal ein Hinterhaus von Rudolph nieder, bzw.aus, das später abgerissen wurde. leider folgte dem Abriss später auch Rudolph, wo heute die Kaiserpassage steht.

In diesem Sinne
Grüße aus BS
märklinist

Bergmönch
03.08.2013, 13:28
Das war ein ganz tolles und elegantes Geschäft. Wie man auf dem Foto sehen kann, kam nach der ersten Schafensterzeile noch eine zweite. Beim Schaufensterbummel dazwischen war man praktisch von den Auslagen umgeben - sehr effektvoll.

Beste Grüße

Bergmönch

Verwaltung
14.08.2013, 17:11
Modenhaus Rudolph
am 17.09.1969 verursachte ein Kurzschluss einen Brand im Hintergebäude des Modenhauses.
Schaden: DM 150.000,--

Und nun anbei zwei Telefonbuchauszüge aus dem Jahr 1955:

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Nebenbei: hier auch der Telefonbuchauszug vom Modenhaus Tiedkte aus dem Jahr 1955

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Hinweis:
Zum Modenhaus Rudolph wurde in 04/2013 ein weiteres Thema eröffnet.
Hierin ist auch ein weiteres (moderneres) Foto enthalten:
http://www.goslarer-geschichten.de/showthread.php?1235-Modenhaus-Rudolph&highlight=Rudolph

1965: Mit 80 Angestellten war Rudoph das größte Textilwareneinzelhandelsgeschäft des Harzraumes

Historie der Nachkriegszeit

Die besten Räume des Stammhauses (1. Stock) wurden von einer namentlich nicht benannten Behörde eingezogen.
Nach Kriegsende zog dort eine Tauschzentrale ein.
Das Nebenhaus, Haus Nr. 98, wurde von der Besatzungsmacht beschlagnahmt.
Für den Verkauf blieb somit über viele Jahre nur das Erdgeschoss.
1/2 Jahr nach der Währungsreform (Währungsreform war am 20. Juni 1948) räumte die Tauschzentrale dann endlich den ersten Stock,
so dass Rudolph dort den Geschäftsbetrieb ebenfalls wieder aufnehmen konnte.
Rudolph wurde in den Folgejahren ständig erweitert, verbessert, modernisiert.


Quelle:
Buch "Nun muss sich alles wenden" (H. Giesecke), Seite 325

Galactus
30.07.2015, 19:56
Warum hat eigentlich die Fassade von Hartmann nicht überlebt? Das war ja echt schön. Ist das durch Rudolph verändert/abgerissen worden oder anderweitig kaputt gegangen?

Rüdiger Scholze
28.08.2018, 15:49
Ergänzung:Modenhaus Rudolph Chronic:
Mangels persönlicher Erben ernannte Max Rudolph noch zu seinen Lebzeiten verdiente Mitarbeiter zu seiner Nachfolge.U.a. wurde Kaufmann Eugen Wille am 8.August 1940 zum Mitinhaber und Leiter des Hauses Rudolph berufen. Kriegs-und Nachkriegszeiten vermochten das traditionsreiche Haus nicht zu erschüttern,und mit dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 ging es auch mit der Firma Rudolph unter Leitung von Eugen Wille ständig bergan.Der Name Rudolph wurde zu einem Begriff für Qualität und Preiswürdigkeit.
Eugen Wille verstarb jedoch bereits mit 55 Jahren und hinterließ seiner Ehefrau Helene Wille im Jahre 1965 die ganze Last der Verantwortung.Unterstützung erhielt sie in den Jahren danach von ihren Töchtern und Schwiegersöhnen.
Zu erwähnen ist aus dieser Zeit auch das 175 jährige Firmenjubiläum 1976

Nils
28.08.2018, 17:09
Hallo Rüdiger, danke für die Informationen zu Firma Rudolph ! Ich erinnere mich, daß in den 70er Jahren eine alte Dame in einem kleinen Nachbarort wohnte. Sie war etwas geistig behindert und war bei einer pflegenden Familie bestens untergebracht. Von dieser alten hieß es im Ort immer, sie eine Art Erbin. Soweit ich mich erinnere, war ihr Name Frl. Rudolph. Kann das sein ?

Gruß, Nils

georgenberger
29.08.2018, 06:49
Hallo Rüdiger, danke für die Informationen zu Firma Rudolph ! Ich erinnere mich, daß in den 70er Jahren eine alte Dame in einem kleinen Nachbarort wohnte. Sie war etwas geistig behindert und war bei einer pflegenden Familie bestens untergebracht. Von dieser alten hieß es im Ort immer, sie eine Art Erbin. Soweit ich mich erinnere, war ihr Name Frl. Rudolph. Kann das sein ?

Gruß, Nils

Hallo Nils,
das ist absolut korrekt! Die Dame war Frl. Charlotte Rudolph und Erbin des Modehauses. Über die Ursache ihrer geistigen Behinderung möchte ich mich nicht äußern, das wäre sehr indiskret. Frl. Rudolph war aber eine gebildete Person und ich konnte mich mit ihr auch auf Englisch und Französisch unterhalten. Die pflegende Familie war meine Tante, die in Herzog-Juliushütte wohnte.

Gruß vom Georgenberger

Nils
29.08.2018, 07:56
Hallo Georgenberger, ja, auch meine Tante wohnte in Juliushütte und wir trafen oft Deine Tante und Frl. Rudolph beim Spazierengehn usw. Meine und Deine Tante kannten sich auch :-) Danke für die Auskunft... alles lange her
Gruß, Nils