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Thema: Scharfrichter in Goslar I - IV

  1. #21
    Gezäheschlepper Avatar von Scharfrichter
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    Ist warscheinlich von Scharfrichter Heinrich Jürgen Kruse gewesen.

    Hans Kruse
    Geändert von Scharfrichter (14.08.2015 um 08:24 Uhr)

  2. Danke von:

    Andreas (14.08.2015),boborit (14.08.2015)

  3. #22
    Moderator Avatar von Bergmönch
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    Sehr schöne Fotos, vielen Dank! Bei mir gab es im Museum immer Probleme, wenn ich mal fotografieren wollte.

    Die mumifizierte Hand wurde übrigens nicht zur Stafe abgehackt, sondern repräsentierte das verstorbene Opfer während der Gerichtsverhandlung als Rechtssymbol. Nach den Regeln galt Anwesenheitspflicht für alle Prozessbeteiligten. Später wurde die Hand dann zusammen mit den Akten abgelegt und vergessen. Soweit ich weiß, wurde sie bei einer der letzten Rathausrestaurierungen wieder gefunden.

    Beste Grüße

    Bergmönch
    Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll. (Lichtenberg)

  4. Danke von:

    boborit (14.08.2015),Scharfrichter (14.08.2015)

  5. #23
    Gezäheschlepper Avatar von Scharfrichter
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    Hallo Bergmönch,

    Die mumifizierte Hand war nicht abgehackt von meinen Vorfahren. Deine Erklärung stimmt.

    Mit freundlichm Gruss aus Holland,

    Hans Kruse

  6. #24
    Moderator Avatar von Bergmönch
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    Hans, wenn Du die folgende Stelle aus der Brandes-Chronik von 1729 noch nicht kennst, wird sie Dich sicherlich interessieren:

    "1704 den 27 May ist Hans Schmit Steinsetzer den 6 Augs. 1703 auf einen Sontag seinen Schwager Arend Humprecht mit einem Degen in Clapperhagen erstochen, das er bald todt geblieben und nach dem Er 41 Wochen in Gefänglicher haft geseßen, ist er nach Urteil und Recht vorn Breiten Thor auf den gewöhnlichen Richtplatze, durch Meister Hans Christoph Sohn Heinrich Jürgen seines Alters ohngefär 24 Jahre mit dem Schwert enthauptet, dieses war sein Meisterstück, welches ihn auch gut gelungen."


    Der Satzbau ist etwas schräg. Die korrekte Reihenfolge: Mord am 6. August 1703, 41 Wochen Haft und Hinrichtung am 27. Mai 1704.

    Jedenfalls weist Du jetzt, dass Dein Ur-Ur...Uropa eine ordentliche Ausbildung mit bestandener Abschlussprüfung gemacht hat und wann dies geschehen ist.

    Beste Grüße

    Bergmönch
    Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll. (Lichtenberg)

  7. Danke von:

    boborit (14.08.2015),Scharfrichter (14.08.2015)

  8. #25
    Gezäheschlepper Avatar von Scharfrichter
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    Hallo Bergmönch,

    Sehr interessant. Der Brandes-Chronik habe ich nicht gelesen. Aber jetzt gekauft beim Altstadt Antiquariat.

    Wieder ein stückchen Familien Historien dabei!

    Danke!

    Hans Kruse

  9. #26
    Moderator Avatar von Bergmönch
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    Unter dem Jahr 1608 steht in der Chronik noch eine Tolle Geschichte. Nachdem sein Kollege aus Seesen bei einem Auftrag ziemlich ungeschickt war und dies mit dem Leben bezahlt hatte, musste der goslaerer Scharfrichter einen sehr heiklen und gefährlichen Job zu erledigen. Es wird jedoch nicht Caspar Kruse I oder II sondern ein "Meister Heinrich" genannt. Gab es zwischen den beiden vielleicht noch einen weiteren Schafrichter?

    "Um diese Zeit hatte der Scharfrichter von Seesen, aufm Zellerfelde zweyen Bergburschen wegen eines Todtschlages mit dem Schwerte sollen hinrichten, den ersten hat er für recht gerichtet, mit dem anderen ist es ihm übel gelungen, daß Er kaum in 5 hieben den Kopf hat herunterbringen können, darüber die Bergburschen so ergrimet, und geschrien, schlag todt, Als er aber durch geschlossenen Crais entkomen, und sich auf dem Rath Hause sich zu schützen vermeint, sind sie ihm doch gefolget, Thüre und Boden aufgebrochen, und jämmerlich mit Beulen und Kratzen zu tode geschlagen, darnach zum Fenster hin aus geworfen, das daß Gehirn herum gesprützet, und über den todten Leichnam durchstochen, und den ganzen Leib, Arm und Bein, ganz mürbe geschlagen. Von diesen Vrefeler sind hernach ihrer 7 wieder gerichtet, von Mstr. Heinrich zu Goslar, und der die Thür und Beden aufgebrochen ist mit dem Rade zerstoßen.
    Wie aber der Scharfrichter sein Werk glücklich vollendet,setzt er sich aufs Pferd, und reitet die Straßen etliche mal auf und nieder, Es läßt ihn aber der Rath sagen, er solle gemach thun Sie können die Bergleute nicht zwingen, damit läßt er sich warnen und reitet herunter nach der Stadt."


    Unter dem Jahr 1570 taucht noch ein Scharfrichter mit Namen Hansen auf, der in Deiner Liste fehlt. Auch diese Stelle zeigt, dass schlechte Hernkersarbeit gefährlich werden konnte:

    "In diesem Jahre den 12 October ist Caspar Zimermans Frau durch Meister Hansen Scharfrichter gerechtfertiget worden, darum daß sie ein Kind welches in Unzucht mit einem Balbier Gesellen ihren Blutsverwandten mit Nahmen Peter gezeuget hat um gebracht, und wäre der Scharfrichter, welcher in die 9 mal zu gehauen von den Bürgern zu tode gesteiniget worden, wenn es nicht so hart gefroren, und von einem gewißen Man Zacharias Wiesen, nicht wäre verthätiget worden."


    Beste Grüße

    Bergmönch
    Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll. (Lichtenberg)

  10. Danke von:

    boborit (15.08.2015),Peter2809 (10.05.2020),Scharfrichter (17.08.2015)

  11. #27
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    Hallo Bergmönch,

    Von Meister Heinrich aus Goslar habe ich nie gehört. Auch nicht gelesen in Goslarer Stadtarchiv.

    In 1608 war sicher Caspar II Goslarer Scharfrichter. Nur wenn er nicht in der möglichkeit war zu hinrichten, könnte ein Stellvertreter gefragt werden (Oft ein Sohn). Vielleicht war das Meister Heinrich. Er könnte einen Sohn Caspar II sein (nicht alle Kinder Caspar II sind mir bekannt).

    Meister Hansen aus 1570 ist vielleicht Meister Hengelei oder Bengelei. Hansen ist eine Vorname.

    Danke für die Information!

    Hans Kruse

  12. Danke von:

    Bergmönch (17.08.2015)

  13. #28
    Moderator Avatar von Bergmönch
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    Hallo Hans,

    ich glaube, dass Du Recht hast. Das Amt war in Familienhand und es war vermutlich ein Verwandter, der hier stellvertretend tätig war. Wenn es ein Gehilfe gewesen wäre, hätte die Chronik das sicherlich als Besonderheit erwähnt. Außerdem schickt man bei solch heiklen Jobs (aufgebrachtes Volk und gleich 7 Hinrichtungen) keinen Gehilfen. Kann es sein, dass Caspar II noch einen weiteren Vornamen hatte und z. B. Caspar Heinrich Kruse oder Heinrich Caspar Kruse hieß?

    Heute ist Hansen in Deutschland eher ein Nachname. Vor 500 Jahren war Goslar jedoch noch stark niederdeutsch geprägt und Hansen als Vorname wäre sicherlich möglich. In beiden Fällen bedeutet Hansen jedoch "Sohn (oder Tochter) von Hans". Hansen und Hengelei/ Bengelei können sich also auf die selbe Person beziehen.

    Beste Grüße

    Bergmönch
    Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll. (Lichtenberg)

  14. Danke von:

    boborit (17.08.2015),Scharfrichter (17.08.2015)

  15. #29
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    Hallo Bergmönch,

    Hier ist ein Akte aus 1601. Aus demStadtarchiv Goslar. Es handelt sich um einen Streit zwischen Caspar Kruse I und seinen Vorgänger Claus Görteler. Die werden Meister Caspar(n) und Meister Claussen genannt.




    Transkription:

    StA Goslar Signatur: A 12421

    Alexander Schmidt berichtet, daß Ihme
    Meister Clauß Gorttler gewesener
    ScharffRichtter Alhier 40. Taler
    schuldig worden / Vnd alß der =
    selbe weg Ziehen wollen, hette Er
    Ihme Eine handtschriefft Zu vber
    40 Taler, so der newe Scharff=
    Richter M. Caspar / Ihme / M. Claußen /
    gegeben / ahn beZahlung. Zu vbergeben
    angebotten / Alß nuhn der Stadt=
    Vogdt Paul Bremer Zugegen gewesen
    hette Er / Sander Schmidt / denselben
    gefraget / ob Ihme solche handtschrifft
    ahnzunehmen wehre / Darauff der
    her StadtVogdt Ja gesagt Vnd Meister
    Caspar mußte Ihne wol bezahlen /
    Bitt derhalben Sander Schmidt / Meister Casparn
    Zur Bezahlung ahnzuhalten /

    Meister Caspar Zeigt hierauff ahn /
    weitleuffig ahn / wie Er erstlich
    Alhier Zu Dienst kohmēn / Vnd

    S. 2 daß Meister Clauß seine Zusage in
    so Er Ihme gethan / in viele wege
    nicht gehalten / In sonderheit aber
    beschwerth Er sich Zum höchsten / daß
    Meister Clauß seiner Zusage / daß
    Er den dienst biß vff Ostern Alhier
    Zuuerwalten / nichtt nachgesetzt /
    sondern vor Michaelis von hinnen
    wegk geZogen / Derhalben Er M. Caspar /
    widderumb Anhero geforddert / Vnd
    dadurch weil Er vo so lang vor der Zeith sich Anhero begeben müßen in merklichen schaden ge=
    rathen / wilchen Er höher Alß 40.
    Taler achte / Wehr sonsten
    Der Handtschriefft gestendig / Weil
    Er aber Er, M. Clauß Ihne in solchen schaden
    gefühert, Vnd seine Zusage nicht ge=
    halten / So hoffte Er auch nicht
    schultig sein / Waß Er Ihme /
    M. Claußen / verheißen / Zuhalten
    ouerwunden Zu sein /
    RathsPersonen Curdt Grothen
    vnnd Henning lappen / Actum
    ahm 16. Jan: Anno 1601.

  16. Danke von:

    Bergmönch (17.08.2015),boborit (17.08.2015),Peter2809 (10.05.2020),thronerbe (17.08.2015)

  17. #30
    Moderator Avatar von Bergmönch
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    Da hat der neue Job für Caspar I ja gleich mit viel Ärger begonnen. Ob er es damals wohl für möglich gehalten hätte, dass ihn einmal 6 Generationen ausüben würden?

    Vielen Dank für das Tolle Dokument!

    Beste Grüße

    Bergmönch
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  18. Danke von:

    Scharfrichter (17.08.2015)

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