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Thema: Zollwesen in Goslar

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    Schießhauer Avatar von Bergmönch
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    Standard Zollwesen in Goslar

    Das Aufblühen der mittelalterlichen goslarer Kaufmannssiedlung auf der Worth und im Bereich der Hokenstraße führte auch zur Bildung eines Zoll- und Steuerwesens in Goslar. Zunächst wurde an Verkaufs- und Markttagen eine Art Umsatzsteuer kassiert. Sitz der königlichen Steuerverwaltung war die Waage, das so genannte Sceppelhus. Dieses befand sich in der Hokenstraße, also im Zentrum des städtischen Handels. Leider ist die genaue Lage dieses wichtigen Gebäudes heute nicht mehr genau nachzuvollziehen. Eine zeitgenössische Ortsbeschreibung lautet: „in der hohenstrate dat drydde hus von den beeke to der vorderen hant, wan me von dem schouhove kumpt ...“. Bei Bauarbeiten gemachte Funde lassen vermuten, dass das Sceppelhus im Bereich der heutigen Hokenstaße 21 stand, was auch zu der mittelalterlichen Beschreibung passt.

    Nach dem Erwerb des Vogteirechtes im Jahr 1290, gingen auch die Zollrechte an den Rat der Stadt über. Zunächst verblieb der Sitz der Zoll- und Abgabenverwaltung im Sceppelhus. Urkunden aus den Jahren 1475 und 1484 belegen dann, dass diese inzwischen in die neue Ratswaage am heutigen Markt 7 (Tourist-Information) umgezogen war. Hier verblieb das Zollamt bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

    Mit zunehmendem Handel und dem Entstehen von Stadtmauern und Toren, wurde es möglich, die gesamte Stadt zum Zollgebiet zu machen. Zollstuben in den Stadttoren kontrollierten und besteuerten alle ein- und ausgehenden Waren mit dem Ziel, Geld und Umsätze in der Stadt zu halten und die heimische Wirtschaft zu schützen.

    Nach dem Abriss der Stadttore 1820, entstanden, an Stelle der Stuben der Torschreiber, Zollhäuser. Sie waren sowohl Wohn- als auch Arbeitsplatz des Zollbeamten. Der wichtigste Teil der Gebäude war natürlich die Amtsstube im vorderen Teil des Hauses. Diese hatte häufig 2 Eingänge. Man betrat sie durch die Tür auf der einen Seite des Schlagbaums und verließ sie, nach Abfertigung des Zollgutes, auf der anderen. Der Schlagbaum wurde geöffnet und die Fracht konnte passieren.

    Die folgende Abbildung zeigt die Zollstation vor dem Breiten Tor an der Okerstraße (1952 abgerissen). Sie stand in der Nähe des Strohkruges.





    Da es bei der Abfertigung häufig zu erheblichen Wartezeiten kam, entstanden oft Gasthäuser in der Nähe von Zollstationen. Bei vielen verlief die Grenze direkt durch die Wirtschaft, um Gästen aus beiden Herrschaftsgebieten Unterkunft bieten zu können. Derartige Lokale wurden schnell zu beliebten Orten für allerlei kriminelles Gesindel. Bei Problemen mit der Obrigkeit brauchte man nur von einer Seite des Schankraumes auf die andere zu wechseln, um sich über die Grenze in Sicherheit zu bringen. Der Strohkrug vor dem Breiten Tor war in dieser Hinsicht jedenfalls berühmt-berüchtigt.

    Die Zollstation, die nach dem Abriss des Klaustores um 1820 in der Bergstraße gebaut wurde, ist erhalten geblieben. Die Amtsstube befand sich in der Mitte des Hauses, die linke Türe liegt in Goslar, die rechte im Herzogtum Braunschweig.





    Diese Zollstation war überaus wichtig, kontrollierte sie doch sowohl den Warenverkehr mit dem Bergwerk am Rammelsberg, als auch den Verkehr mit den Bergstädten über die Harzstraße. Um die Durchfahrt durch die Stadt zu erzwingen und eine westliche Umfahrung unmöglich zu machen, wurde die Feldmauer vor der Frankenberger Kirche und dem Papenturm bis an den Nonnenberg vorverlegt und schnitt diesen teilweise sogar an. Das Nadelöhr war sogar durch eine zusätzliche Kasematte in der Feldmauer von beiden Seiten gesichert. Ein tiefer, durch den Nonnenberg geschlagener Hohlweg, der noch heute sichtbar ist, sollte die Blockade und den damit verbundenen Zoll umgehen.





    Die Stadt reagierte mit dem Bau eines weiteren Zollhauses an der äußersten Grenze ihres Hoheitsgebietes, genau dort, wo die Umgehung wieder in die Clausthaler Straße einmündet. Und dort steht es heute noch:





    Die Amtsstube befand sich in dem zentralen Vorbau, von dem man die Straße in beiden Richtungen gut einsehen konnte. Wieder gibt es 2 Türen.

    Mit dem Beitritt des Königreiches Hannover zum Deutschen Zollverein im Jahre 1854, entfiel die Notwendigkeit von Zollstationen an den Stadtgrenzen.





    Die meisten wurden zu Häusern der Wegewärter, die sich um den Zustand bestimmter Straßenabschnitte zu kümmern hatten. Eines dieser Wegewärterhäuser stand noch bis vor wenigen Jahren an der Vienenburger Straße in der Nähe der Brücke beim Realkauf. Es wurde achtlos abgerissen.

    Nach dem Krieg befand sich das örtliche Zollamt am Jürgenweg. Heute ist in dem Gebäude das Katasteramt.





    Das heutige goslarer Zollamt (Dienststellenschlüssel 5052) ist in der Heinrich-Pieper-Straße 2 zu finden. Es gehört zur Bundesfinanzdirektion Mitte und ist dem Hauptzollamt Braunschweig nachgeordnet.

    Beste Grüße

    Bergmönch
    Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll. (Lichtenberg)

  2. Danke von:

    Andreas (05.04.2015),Hanno (05.04.2015),heinrichbarbarossa (04.04.2015),Maria (04.04.2015),Strippenzieher (05.04.2015),zeitzeugin (05.04.2015)

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