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Thema: Herrenbekleidungswerke Odermark

  1. #1
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    Avatar von Andreas
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    Standard Herrenbekleidungswerke Odermark

    In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 siedelten die ältesten deutschen Herren-Bekleidungswerke Odermark, die 1851 in Stettin gegründet
    wurden, nach Goslar über. In Stettin wurden Eisenbahnwaggons für den Transport der Maschinen in den Harz organisiert. Mitarbeiter und deren
    Familien folgten und man traf sich in Goslar.

    Zum Neuanfang in Goslar hatte man noch keine eigenen Betriebsräume, produziert wurde zunächst in den Räumen eines Goslarer
    Einzelhandelsgeschäfts, später im „Forsthaus“ an der Clausthaler Straße und schließlich in einem Stockwerk des Hauses Karstadt.

    Die ersten eigenen Produktionsräume entstanden auf einer Wiese mit zwei Fußballtoren vor dem Breiten Tor, direkt an der Bahnlinie
    Goslar - Bad Harzburg. Die Bauarbeiter mussten sich auf der Wiese gegen eine Schafherde behaupten …

    Bereits 1947 erreichte man mit 300 Beschäftigten eine Monatskapazität von 1500 Herrenanzügen. Damit ist Odermark Goslars bedeutendster
    industrieller Zuwachs nach dem Zweiten Weltkrieg.


    Das neue Stammhaus an der Okerstraße um 1960, Foto Stadtarchiv

    1948 beziehen die Bekleidungswerke den Neubau an der Okerstraße vor den Toren der Stadt. Das Unternehmen wuchs stetig und man expandierte,
    1952 wird ein Zweigwerk in Salzgitter-Bad eröffnet. Weitere Werke später in Clausthal-Zellerfeld, SZ-Lebenstedt, Bremen und Wolfsburg.

    Durch die günstige Lage an der Bahnstrecke ließ sich eine direkte Anbindung realisieren – die Firma bekommt einen eigenen Bahnhof
    „Haltepunkt Odermark, Goslar“, der am 02.01.1956 eingeweiht wurde.


    Haltepunkt Odermark, Quelle: http://www.drehscheibe-online.de/for...php?17,7828810

    Das Wirtschaftswunder lässt die Produktionsräume an der Okerstraße schnell zu klein werden,
    am 13.10.1956 wurde der Neubau „Das Hochhaus“ eingeweiht.

    Orientierungsplan




    Eine Stadt für sich
    Eigener Bahnhof, eigene Buslinien für die Mitarbeiter – auch sonst gab es im Werk alles wie in einer Kleinstadt: von der großen Kantine bis hin zum
    Betriebsarzt. Dem Unternehmen ist sehr am Wohle der Mitarbeiter gelegen. Betriebssportgemeinschaften und der Odermark-Klub an der Berliner
    Allee stehen den Mitarbeitern und ihren Familien zur Verfügung. 1958 wird das Odermark-Klubheim eingeweiht.

    Die vorbildlichen sozialen Leistungen tragen erheblich zum Erfolg des Unternehmens bei. Nicht nur die betriebliche Altersvorsorge wird aus der
    Firmenkasse finanziert, man förderte ebenso den Wohnungsbau, insbesondere Eigenheime.

    Schon 1960 ist Odermark das größte Herrenbekleidungswerk des Kontinents.


    Das „Hochhaus“ nach der Fertigstellung

    In den 60er Jahren kommen viele Gastarbeiter in den Harz, viele - meist Frauen - kommen bei Odermark unter. Italienerinnen, Spanierinnen und
    später auch Türkinnen. Für die Gastarbeiter gibt es eigens einen Ansprechpartner im Unternehmen.

    1965 fertigen etwa 4500 größtenteils weibliche Beschäftigte täglich 4000 Anzüge, Sakkos, Mäntel und Hosen.
    Dafür verarbeitete man täglich 15 Kilometer Oberstoffe.

    1974 - die Ölkrise trifft auch Odermark. Wochenweise muss ein Teil der noch 2600 Beschäftigten Kurzarbeit einlegen. Alleine im November sackte
    der Umsatz um 20 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres. Versuche, die Krise mit qualitativ hochwertigen Sonderangeboten zu überwinden,
    zeigen leider nur geringen Erfolg.

    Das krisengeschüttelte und inzwischen insolvente Unternehmen wird 1979 von Brinkmann übernommen. Nach dem Konkurs und der Neugründung heißt
    das Unternehmen seit 1980 „Odermark Bekleidungswerke Brinkmann GmbH & Co. KG“. Viele Mitbewerber waren gegen eine Übernahme durch Brinkmann
    und wollten die Kapazität von Odermark gerne vom Markt verschwinden lassen. Durch die Freistellung von Rentenansprüchen, Landesbürgschaften, die
    Zonenrandförderung sowie Verkauf und Vermietung von Immobilienbesitz konnte Brinkmann das Unternehmen erfolgreich sanieren.

    Um am Markt bestehen zu können, wurde die Produktion im Laufe der Jahre teilweise ins Ausland verlegt. 1995 wird die Inlandsproduktion, die bisher noch
    bei 50 Prozent lag, auf 20% gedrückt. Erneut verlieren viele Mitarbeiter Ihren Arbeitsplatz. Am Ende des Jahres sind noch 400 Beschäftigte im Unternehmen
    tätig. Zur Sicherung des Standortes - Goslar wurde für 13 Mio. DM eine neue Lager- und Versandhalle gebaut.


    Das „Hochhaus“ mit seiner ursprünglichen Fassade, die leider einer schnöden, blauen Blechfassade weichen musste.

    Bis zum Jahr 2003 ist Odermark wieder eines der bedeutendsten europäischen Unternehmen für Herrenoberbekleidung. Man beschäftigte 280 Mitarbeiter,
    wovon 20 für die neue, exklusive Marke „Lescalier“ eingestellt wurden.

    Ende 2007 trennte sich das Unternehmen von rund 90 Mitarbeitern – ein Drittel der Belegschaft! 170 Mitarbeiter verbleiben im Unternehmen.

    Die schwere Weltwirtschaftskrise ab 2008 und die anhaltend negative Entwicklung führen 2009 zu einer Restrukturierung in der Brinkmann-Gruppe.
    Die unrentable Produktlinie Odermark wird zur Saison Herbst/Winter 2010/2011 ein-gestellt. Die bisherigen Odermark-Label Atelier Torino und Corpus Line by
    Odermark wechseln zum Brinkmann-Standort Northeim. In Goslar verbleiben lediglich Logistik und Qualitätssicherung, 60 von noch 110 Arbeitsplätzen fallen weg.

    2010 arbeiten nur noch ca. 60 Mitarbeiter bei dem traditionsreichen Unternehmen, das einst über 4500 Beschäftigte zählte, welches der größte Arbeitgeber der
    Stadt Goslar und Bekleidungshersteller Europas war.



    2011, das Hochhaus ist nur noch eine leere Hülle

    2011 Wurden das Hochhaus und die Flachbauten entkernt und ab 2012 komplett abgerissen. Übrig blieb nur der Altbau, in dem sich unter anderem AOK
    befindet. Der östliche Teil des Altbaus wurde komplett umgebaut und beherbergt heute neben einem Lebensmittel-Discounter und einem Drogeriemarkt auch
    die kläglichen Reste des Unternehmens Odermark - ein kleines Outlet.


    Mehr blieb nicht, nur der kleine Laden am Odermarkplatz
    Glück Auf!
    Andreas

  2. Danke von:

    Andre Immenroth (28.01.2017),Bergmönch (28.01.2017),Hanno (28.01.2017),Harzer06 (28.01.2017),Maria (28.01.2017),Maxe 27 (28.01.2017),Onkel Hotte (30.01.2017),Strippenzieher (28.01.2017),thronerbe (28.01.2017),zeitzeuge (21.12.2017)

  3. #2
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    Avatar von Maria
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    Odermark ist eine eigene Geschichte für sich. Viele der Arbeiterinnen waren im Herzberghaus untergebracht.
    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	1947b.jpg 
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ID:	16274
    Wie früh nach dem Krieg hier aufgebaut wurde zeigt auch dieses Bild (wohl 1947). Im Hintergrund ist noch das Haus Wilhelm Buschstraße zusehen, auf das ein englischer Jagdflieger gestürzt war, es ist noch nicht wieder aufgebaut.
    Maria

  4. Danke von:

    Andreas (28.01.2017),Bergmönch (28.01.2017),Hanno (01.02.2017),Maxe 27 (28.01.2017),zeitzeuge (21.12.2017)

  5. #3
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    Avatar von Bergmönch
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    Der Vater eines meiner Klassenkameraden war in den 70er-Jahren beim Zoll. Sein Büro befand sich jedoch nicht im Zollamt, sondern bei Odermark.

    Beste Grüße

    Bergmönch
    Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll. (Lichtenberg)

  6. Danke von:

    Andreas (28.01.2017),Maria (29.01.2017)

  7. #4
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    Avatar von bergland
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    Video aus besseren Zeiten : https://www.youtube.com/watch?v=8jk0ldhUZxw


  8. Danke von:

    Andreas (19.12.2017),Harzer06 (19.12.2017),Maria (01.02.2017),Strippenzieher (01.02.2017),thronerbe (02.02.2017),Toni Pepperoni (20.12.2017)

  9. #5
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    Avatar von Andreas
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    wohl um 1950, noch ohne das Hochhaus. Für die damalige Zeit war das schon ein gewaltiges Werk

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    Glück Auf!
    Andreas

  10. Danke von:

    Hanno (19.12.2017),Maria (19.12.2017),Speedy (19.12.2017),Strippenzieher (20.12.2017),Toni Pepperoni (20.12.2017)

  11. #6
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    Schöne Film vom Damals Danke Schön

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