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Thema: Goslar während der Nazi-Zeit

  1. #11
    Schießhauer Avatar von AlterSchirm
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    Guten Morgen,

    es gibt einen interessanten Link zu dem Thema. Er ist zwar nicht mehr ganz aktuell, aber enthält viele Dokumente und Berichte über die Zeit aus der gesamten Harzregion:
    http://www.spurensuche-harzregion.de/
    Alles Liebe
    Jan

  2. #12
    Schießhauer Avatar von Verwaltung
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    So, ich fange jetzt mal an mit meinem Bericht, der im ersten Teil eher den optischen und haptischen Eindruck festhalten soll.

    In meinem Beitrag "Sprache im Wandel der Zeit" hatte ich ja schon auf diverse "Silberführer" der Stadt Goslar zurückgegriffen und daraus berichtet.

    Jetzt gehen wir ganz zurück in die Anfänge des Silberführers.
    Meiner Information nach ist die erste Auflage im Jahr 1934 erschienen.
    Mir liegt aktuell die zweite Auflage vor, die ich in die Zeit zwischen 1936-1938 ansiedele.

    Das haptische Gefühl, solch ein "altes" Büchlein in den Händen zu halten ist zwiespältig.
    Einerseits bin ich mir bewußt, wie geschichtstragend dieses Büchlein ist.
    Und vor allem wie wertvoll, denn irgendwann wird es diese alten Ausgaben auf dem Markt nicht mehr zu kaufen geben.
    Andererseits haben diese alten Bücher einfach einen unangenehmen Geruch an sich.

    Optisch ist es wirklich ein "Silberführer" - sofort zu identifizieren.
    Irritierend für mich ist natürlich die Aufschrift "Reichsbauernstadt Goslar", denn bevor ich den "Goslarer Geschichten" beigetreten bin und mich seitdem mit unserer Geschichte befasse, habe ich gar nicht gewußt, dass wir eine Reichsbauernstadt waren!
    Hinweis:
    Der Name "Reichsbauernstadt" war ein nationalsozialistischer Ehrentitel für die Stadt in den Jahren 1936 - 1945.

    Die Schrift des Büchleins ist - wie damals üblich - die Deutsche Frakturschrift.
    Sehr ungewöhnlich für unser heutiges Auge und ziemlich schwierig zu lesen.

    Andererseits ist aber auch vieles wiederum vertraut - z.B. unser Stadtwappen.

    Auf der ersten (Klappen-)Seite heißt es
    Reichsbauernstadt
    Goslar am Harz
    Die tausendjährige Kaiser-, Reichs- und Hansestadt

    Anmerkung: waren wir jemals eine Hansestadt ???????

    Ein Führer durch Stadt und Umgebung
    II. Auflage
    Herausgegeben im Auftrag des Vereins für
    Fremdenverkehr e.v., Verkehrsamt Goslar
    und in Gemeinschaft mit Mitarbeitern von
    Dr. Carl Borchers

    Die zweite Seite ist ein ordentliches Inhaltsverzeichnis, das auch den heutigen Ansprüchen Genüge tut.

    Der Oberbürgermeister der Reichsbauernstadt Goslar hat das Vorwort unterschrieben. Sein Name ist leider nicht zu entziffern.

    Aus dem Vorwort möchte ich wieder ein wenig zitieren, weil ich einige Passagen geschichtsträchtig-interessant finde:

    .... Große geschichtliche Erinnerungen geben den Stätten Goslars ihre Weihe. Goslars Geschichte war einmal Reichsgeschichte in der Höhe des mittelalterlichen deutschen Kaisertums unter den Sachsenkaisern, Saliern und Hohenstaufen, und aus dem Ende des Mittelalters bewahrt es die großen Überlieferungen reichsstädtischer und hanseatischer Vergangenheit. An die Geschichte des Ersten Reiches der Deutschen, deren Sinnbild Goslars hochragende Kaiserpfalz ist, und an die bäuerliche Geschichte Niedersachsens knüpft das deutsche Bauerntum heute an, indem es seine Selbstverwaltung nach Goslar verlegt.

    Danach kommt eine propagandamäßige Lobpreisung Hitlers, die ich hier nicht wiedergeben möchte, weil sie - außer dass sie vom damaligen Goslarer Oberbürgermeister stammt - nicht viel mit Goslar zu tun hatte.

    Auf der nächsten Seite ist ein seitenfüllendes Bild von Hitler und ich weiß nicht wer der andere Herr ist mit dem Untertitel "Der Führer am Erntedanktag in der Kaiserpfalz Goslar".

    Danach geht es dann im Prinzip mit den Fremdenverkehrsinformationen, die doch eher Geschichtsinformationen sind, weiter.

    Das Kapitel lautet "Das heutige Goslar, die Reichsbauernstadt"
    ist trotz ihres altertümlichen Äußeren eine durchaus moderne Fremdenstadt
    (dieses seltsame Wort blieb in den Silberführern noch sehr lange erhalten!) mit neuzeitlichen Einrichtungen aller Art.
    25.000 Einwohner. ..... Goslar ist D-Zugstation, Knotenpunkt von fünf Eisenbahnlinien und Ausgangsort für den Großkraftwagenverkehr in den Oberharz. Goslar ist daher als Haupttor zum Harz und als Brennpunkt des Harzverkehrs anzusehen.......

    Auf der nächsten Seite geht der Text weiter, es gibt aber halbseitig auch ein schönes Foto von der Goslar-Halle.

    Im folgenden Kapitel geht es um Goslars Geschichte (also die Ur- und Frühgeschichte), was vom Thema her nicht zu unserem Beitrag paßt.
    Daher überspringe ich dieses Kapitel.
    Erwähnen möchte ich aber die sehr schönen Fotos.
    Zum Beispiel gibt es ein Foto der Kaiserpfalz aus einer sehr ungewöhnlichen Perspektive. So habe ich die Kaiserpfalz bislang nur äußerst selten - wenn überhaupt - abgebildet gesehen. Wunderbar!
    Ein weiteres Foto ist das Rathaus, was aber ein wenig trostlos von der Aufnahme her wirkt.

    Im nächsten Kapitel geht es im Thema um "Die Reichsbauernstadt Goslar" Der Wille zum Bauerntum.
    Auch hier sind wieder die Fotos erwähnt, die aus meiner Sicht zum damaligen Zeitgeist passen und eine wirklich gute Qualität (alles in s/w) haben.
    Auf einem Foto wird wieder die Goslar-Halle gezeigt mit Menschen in hübschen Trachten davor. Der Untertitel heißt "Reichsbauerntag in Goslar".
    Auf einem anderen Foto wird die Kaiserpfalz anteilig gezeigt, wiederum mit vielen Menschen in Tracht davor. Diese halten Erntedankbäume mit Schmuck, was vor der Kaiserpfalz sehr gefällig wirkt. Die Trachten sind sehr hübsch, alles wirkt wie "heile Welt". Der Bilduntertitel lautet "Vor der Kaiserpfalz am Erntedanktag".


    Der Text dieses Kapitels klingt in meinen Ohren ziemlich propagandamäßig.
    Ich gebe Euch eine kurze Probe in Form eines Zitats:

    Großstadt und Land, verstädterte Zivilisation und bäuerliche Kultur, leichter Internationalismus und bäuerlicher Schöpfungswille - das sind Gegensätze , die unüberbrückbar sind, die sich gegenüberstehen wie Feuer und Wasser. Die bäuerliche Welt, die aus tiefstem Inneren den Ausdruck deutschen Seelenempfindens ist, hat ihr Grab in der Großstadt und in dem aus ihr strömenden Weltgeist gefunden. Alle Kräfte, die an einer Vernichtung göttlicher Werte des Deutschtums arbeiteten, saßen (???) in der Großstadt zusammengeballt, um, wie eine Spinne, von hier aus mit ihren Fangarmen das Land zu umfassen und auszulaugen......

    In dem Ton geht es dann weiter.
    Viel "echte" Information kann ich dem Kapitel nicht entnehmen.
    Aber es gibt in einen Einblick in die damalige Denkweise und Sprache.

    Das nächste Kapitel befasst sich mit den "Sehenswürdigkeiten - das historische Stadtbild".
    Wieder beeindrucken mich die qualitativ guten Bilder und vor allem sind es auch Bilder, die man heute nicht mehr (so oft) sieht.
    Unter anderem en ganz wunderbares Bild von dem Eckzimmer im Erdgeschoß des Siemenshauses. Aus fotografischer Sicht frage ich mich, wie es der Fotograf geschafft hat, so hervorragend zu belichten! Heute braucht es dazu Techniken wie HDR, um solch eine hervorragende Fotoarbeit hervorzubringen. (Sorry, das war eine vom Thema abweichende Anmerkung einer ambitionierten Hobbyfotografin).
    Auf späteren Seiten erfolgt eine Darstellung über die Entwicklung des Fachwerkbaus, die man übrigens auch in den letzten Ausgaben des Silberführers (also Ende der 1980er-/Anfang der 1990er-Jahre) noch finden kann.

    So, damit der Artikel in einem Umfang verbleibt, den man noch an einem
    Abend lesen kann, mache ich hier erst einmal Schluß.
    Es folgt demnächst ein 2. Teil meines Berichtes, denn ich denke, dieser Silberführer der II. Ausgabe übermittelt einiges von dem Zeitgeist der damaligen Jahre.

    Hinweis:
    Die Reichsbauerntage fanden in Goslar 1934, 1935, 1936 und 1938 statt.
    1937 fielen sie wegen der Maul- und Klauenseuche aus, ab 1939 fanden sie
    wegen des Zweiten Weltkrieges nicht mehr statt.

    Den zweiten Teil meines Berichtes beginne ich erneut mit eigenen Anmerkungen und Lobpreisungen über die wunderbaren Fotografien, die in diesem Silberführer enthalten sind.

    Vor mir ausgebreitet sind gerade die Fotos der Klosterkirche Neuwerk und die Häuser der Marktstraße 1+2 (heutige Stadtbibliothek samt der Münzstraße. Irgendwie haben die Häuser damals „oben“ noch mehr Luft voneinander gehabt)
    Wieder wundere ich mich über die fotografische Perfektion dieser Fotos.
    Vor allem die Marktstraße-Fotos würden heute wohl eher mit stark stürzenden Linien gezeigt werden. Ich bin zutiefst beeindruckt, was damals an fotografischem Können vorhanden war!

    Des weiteren gibt es eine wundervolle Luftaufnahme, die die Stadt wie eine Spielzeugstadt aussehen läßt.
    Das Foto zeigt den Marktplatz (beginnend mit dem Kaiserringhaus bis hin zur Marktkirche, dann von links nach rechts mit der Kaiserworth bis hin zur Breiten Straße.
    Der Marktplatz ist sehr belebt und es sieht aus, als seien das alles Buden mit Sonnenschirmen und natürlich vielen Menschen.
    Weitere Fotos zeigen das Große Hlg. Kreuz (unverputzt), Das Innere Tor vom Breiten Tor, die Frankenberger Kirche, das Haus in der Kornstraße Nr. 9, den Frankenberger Plan (ganz ohne Autos – eine Augenweide!!!!).

    Sehr gut gefällt mir das Kapitel über die Weltlichen Bauten (Befestigung, Rathaus, Gildehäuser, Bürgerhäuser, Denkmäler, Brunnen, Gedenkstätten)
    Es gibt dabei u.a. einen handgemalten Lageplan des Breiten Tores, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Dieser Plan macht erst einmal bewußt, was für ein imposantes Schutzwerk der ganze Bau einmal gewesen ist.
    Untermalt wird dieser Plan dann auf der Gegenseite wieder mit einer hervorragenden Fotografie über den Komplex des Breiten Tores (Luftbild), wie man die Fotos so heute auch nicht mehr sieht. Auch die weiteren Fotografien der Gilde- und Bürgerhäuser sind hervorragend.

    Wenn jemand von Euch ein Interesse an Fotografien der damaligen Zeit hat, dann kann ich diesen Silberführer nur empfehlen.
    Er kostet nicht viel.
    Incl. Versand habe ich ihn im Internet bei einem Versandantiquariat
    für € 8,00 erstanden. Allein die enthaltenen Fotos sind aber nicht mit Gold aufzuwiegen!

    Doch jetzt zurück zum textlichen Inhalt des Silberführers der 2. Auflage (ca. 1936-1938 )

    Das Kapitel „Goslar als neuzeitliche Wohnstadt“ enthält viele sachliche Informationen, die ein gutes Bild über das damalige Leben und den damaligen Anspruch an das Leben geben.
    Interessant hierin sind die folgenden Bilder:
    Gartenstadt „Am Fillerbrunnen“, Goetheschule (Südansicht), Greifbrunnen / Greifplatz,
    Anbei nun einige längere Zitate (weitestgehend buchstabengetreu abgetippt) aus diesem Kapitel:

    Erst nach den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts (Anmerkung: also 1870 ff) wächst sie (Goslar) über ihre Ringwälle hinaus ins Freie. Die Vorstädte erklettern die rings ansteigenden Hänge. Das geschah zunächst nicht in weitausschauender Planung, sondern mehr sprunghaft und zufällig. Glücklicherweise blieben dabei an vielen Stellen der Wälle unbebaute Teile, die nachträglich zu Anlagen umgeformt werden konnten und, weiter ausgebaut, wichtige städtebauliche Gestaltungsmöglichkeiten in sich tragen. Erst um die Jahrhundertwende setzte planvolle Vorarbeit auf dem Gebiet der Stadterweiterung ein. Das Beste, was damals entstand, ist das weitläufige Wohnviertel am Steinberg mit seinen gut gepflegten Anlagen.
    Freudig nehmen wir heute die alte Tradition, die Goslar geformt hat, wieder auf. Wesensbestimmend wird jetzt wieder die städtebauliche Idee. Man erkennt, daß nur ein Stadtteil, der in seinen Maßen unter sich abgestimmt ist, der Straßen und Plätze als Raum gestaltet und die persönlichen Wünsche der einzelnen Bauherren der Pflicht gegen die Allgemeinheit unterordnet, bleibenden Wert behalten und der hohen Tradition des alten Stadtbildes wert sein wird. Durch großzügige Bebauungspläne ist Klarheit geschaffen über die angestrebte Grundform der künftigen Stadt.

    Jenseits des Festungsringes haben sich in der Hauptsache drei neue Wohnviertel gebildet. Außer dem schon genannten Steinbergviertel das Georgenbergviertel und das Siemensviertel.

    Das Steinbergviertel ist das gegebene Ansiedlungsgebiet für das gepflegte, in weiten Gärten gelegene vornehme Landhaus.

    Das Siemensviertel erschließt am Wiesenhang des Rammelsberges über den sonnigen Rosenberg hin das Gelände für den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern mit kleinen und größeren Gärten in aufgelockerter Bebauung.

    Auf dem Georgenberg endlich wird im Anschluß an den dort bereits bestehenden Stadtteil auf weitem städtischen Gelände eine Gartenstadt entstehen, in der sowohl das schlichte kleinbürgerliche Einfamilien-Reihenhaus als auch das anspruchsvollere Einfamilienhaus, umgeben von entsprechendem Garten, Platz finden kann.


    Die Siedlung am Sudmerberg ermöglicht Raum für Haus und Garten auch bei kleinsten Einkommensverhältnissen.

    Die technischen Voraussetzungen für zeitgemäßes Wohnen sind in Goslar vorhanden: vorzügliche Trinkwasserversorgung, moderne Kanalisation, ein gut eingerichtetes Elektrizitäts- und Gaswerk, neuzeitliche Sportanlagen und Bäder.
    ......
    Goslar ist Sitz des Reichsnährstandes geworden.
    ......
    Bei der städtebaulichen Weiterentwicklung wird man sich bewußt sein, dass nur bodenverwurzelte Menschen auf die Dauer Träger deutscher Kultur sein werden.
    Der Materialismus der Gründer- und Vorkriegsjahre hat die Menschen in Mietkasernen gepfercht und dadurch entseelt. Das neue Deutschland will wieder zufriedene und glückliche Menschen schaffen. Jeder soll in der Lage sein, ein Eigenheim zu besitzen.
    .......

    Diese Überlegungen finde ich im Prinzip sehr wohlüberlegt, fortschrittlich und aus heutiger Sicht für die damalige Denkweise auch sehr modern.

    Und interessant ist für mich auch, dass diese Denkweise (bzgl. der Wohnformen) auch viele Jahrzehnte später (im Silberführer der 1970er Jahre) weiterhin in ähnlicher Weise formuliert wird. (siehe dazu auch meinen Beitrag "Die Sprache im Wandel der Zeit").

    Im nächsten Artikel, dem ich hier ein paar Zeilen widmen möchte, geht es um Industrie und Gewerbe in Goslar.
    Auch daraus wieder ein paar Zitate, deren Inhalt ich ganz informativ finde:

    In der Nahrungs- und Genußmittelindustrie erfreut sich der weltbekannte Sauerbrunnen allgemeiner Beliebtheit.
    .....
    Berühmt war ehemals die Goslarer Gose, ein ebenso nahrhaftes wie wohlschmeckendes obergäriges Weizenbier.
    Die Holzindustrie (Sägewerke, Faßfabrik, Kistenfabrik, usw.) hat eine besondere Bedeutung.
    Darüber hinaus sind in Goslar noch einige Industriezweige, deren führende Bedeutung in der deutschen Wirtschaft und für den deutschen Außenhandel anerkannt ist. Dies gilt besonders von den Greif-Werken, A.=G., Fabriken für Bürobedarf, die zu den bedeutendsten Werken ihrer Art in Deutschland gehören, ferner von der Harzer Hosenträger- und Gürtelfabrik, Marke Cunard, deren Absatzgebiete gleichfalls wie die der Greifwerke zum Teil im Ausland liegen. Die Firma Wilhelm Weule stellt Spiegel und Linien für Leuchtfeuer, Scheinwerfer, Schiffs- und Signallaternen her. In Farbwerken werden sowohl Farberden (die bekannte Ockerfarbe) als auch chemische Farben hergestellten. Das Bleiwerk Goslar wird als das größte Werk in Deutschland bezeichnet.

    Der Silberführer bietet dann tatsächlich auch "richtige" touristische Informationen an, wie z.B. Wanderrouten im Harz (Tageswanderungen und Ausflüge mit Bahn oder Kraftwagenlinien), sowie Radtouren durch den Harz. Diese Tourenvorschläge sind im übrigen in ganz ähnlicher Form ebenfalls auch noch in dem Silberführer der 1970er Jahre zu finden sind!

    Ein ganz interessantes Kapitel - interessant, weil es für mich eher ein aktuelles Thema ist - befasst sich mit Goslar als Standquartier für Kraftfahrzeugbesitzer.
    Auch daraus gibt es wieder ein paar Zitate, weil es für mich einfach auch zum Leben, zur Lebensweise, zum Lebensgefühl der damaligen Zeit mit dazu gehört. Wobei - ich sage es ehrlich - ich dieses Thema niemals in der Zeit vor 1970 angesiedelt hätte So kann man sich täuschen!

    Die ständig sich mehrenden Kraftfahrzeugbesitzer, die es vorziehen, statt mit der Eisenbahn oder großen Verkehrsomnibussen mit eigenen Kraftfahrzeugen die Sehenswürdigkeiten und die schönen Landschaften, so auch Goslar und den Harz aufzusuchen, werden sich mit Recht fragen, ob sie in Goslar, selbst wenn sie darüber hinaus noch den übrigen Harz und den Kyffhäuser besuchen wollen, ein allen Wünschen entsprechendes ideales Standquartier für längeren Aufenthalt finden. Diese Frage ist unbedingt zu bejahen.
    Was zunächst die Unterkunft von Kraftfahrzeugen in Goslar betrifft, kann man darauf hinweisen, dass sich in Goslar nicht nur eine Anzahl von Großgaragen befindet, die den verwöhnten Ansprüchen auf heizbare und verschließbare Einzelboxen mit besonderer Wagenpflege genügen, sondern daß auch große Hallen vorhanden sind, die die Möglichkeit bieten, Kraftfahrzeuge zu billigsten Bedingungen unterzubringen.
    .....
    Darüber hinaus besitzen aber auch die Goslarer Gaststätten in reichem Maße eigene Autogaragen, die es dem Gast ermöglichen, das Fahrzeug in nächster Nähe und möglichst bequem zu halten.

    Damit sind wir am Ende dieses Büchleins angekommen.
    Es gibt ein paar Dinge, die ich persönlich außerordentlich interessant und aussagekräftig empfinde.
    1.) Die Auflage wurde gegenüber der 1. Auflage überarbeitet. Ich hatte hier ziemlich viel nationalsozialistische Propaganda erwartet und bin mehr als erstaunt, wie neutral dieses Buch (von einigen wenigen, recht harmlosen Ausnahmen einmal abgesehen) doch geschrieben ist.
    2.) Die Sprache - die komplizierte, nicht endenwollende Satzbildung - gibt ebenfalls einen ganz interesannten Eindruck der damaligen Zeit.
    Zum Teil habe ich beim ersten und zweiten Lesen gar nicht vollständig verstanden, was da alles gesagt wurde. Wenn ich die heutige Sprache - also noch keine 80 Jahre später - vergleiche, dann liegt da ein wahrer Zeitsprung dazwischen.
    3.) Die Menschen hatten damals offenbar in vielen Dingen die gleichen Prioritäten und Sorgen wie wir heute: wo wohnen, wie wohnen, wo das Auto abstellen?

    Meinen Beitrag zur "Reichsbauernstadt Goslar" möchte ich noch mit ein paar ausgewählten faktischen Informationen abschließen, die auf den letzten Seiten des Silberführers zu finden sind:

    Wichtige Angaben für den Aufenthalt

    Kraftpostlinien (Goslar - Hahnenklee, im Sommer zum Freibad Herzberger Teich, Goslar - Jerstedt - Bredelem, Goslar- Langelsheim - Wolfshagen, Goslar - Immenrode - Liebenburg, Goslar - Okertal - Altenau, u.v.m.)

    Autotaxen (Autotaxenruf Nr. 29 00)

    Fuhrwerk aller Art vermittelt das Verkehrsbüro

    Flugverkehr
    Auskunft und Flugscheinverkauf und Platzbelegung im Verkehrsbüro
    Fernruf 33 33, 31 98

    Reichsbehörden
    Arbeitsamt, Bäringerstr. 34
    Postamt, Adolf-Hitler-Str. 15
    Finanzamt, Tappenstr. 14
    Reichszollverwaltung, Tappenstr. 14

    Schulen
    Realgymnasium mit Gymnasium, Lyzeum, Knaben-Mittelschule, Mädchen-Mittelschule, Knaben-Volksschule, Mädchen-Volksschule, katholische Volksschulen, städtische Berufsschulen, viele Töchterheime und Haushaltungsschulen

    Gesundheitswesen
    Krankenhaus, Mauerstraße
    Leitender Arzt: Dr. med. Behrens
    Unfallmeldestelle, Fernruf: 2850

    Kliniken
    Dr. med. Otto, Triftweg (Sanatorium)
    Dr. Wüst, Claustorwall 34 (Ohren-, Nasen-, Halskrankheiten)
    Dr. Weckert (Augenklinik)

    [erwähnt in der 1. Auflage]
    Sanatorium Theresienhof
    Sanitätsrat Dr. Gellhorn, Rammelsberger Straße
    (Sanatorium für Nervenkranke und Erholungsbedürftige)

    Erholungsheime
    Königsberg (nicht öffentlich)
    Hessenkopf (nicht öffentlich) [erwähnt in der 1. Auflage]

    Apotheken
    Ratsapotheke (gegenüber dem Rathaus)
    Hirschapotheke (Schuhhof)

    Badeanstalten
    Städtische Badeanstalt (Eingang beim Brusttuch oder vom Hohen Weg aus), Wannenbäder, Dampf-, Licht-, Moor-, Schlamm- und medizinische Bäder jeder Art
    desgleichen im Privatbad von Bohlig, Petersilienstraße
    Familienbad am Herzberger Teich
    Freibad auf dem GSC-Sportplatz

    Städtische Liegewiese
    unweit der Gaststätte Nonnenberg
    Verleih von Liegestühlen


    Quellenhinweis:
    Alle Zitate dieses Artikels stammen ausschließlich aus dem Fremdenführer der Stadt Goslar (genannt: "Silberführer"), 2. Ausgabe, ca. 1938

    Und zum Schluß noch ein paar Links
    1.) Königsberg-Sanatorium ... Verfall und Zustand heute
    http://www.koenigsberg-sanatorium.de/start.htm
    2.) Herzberger Teich .... Verfall und Zustand heute
    http://www.rottenplaces.de/rp/page.p...&nid=221&rub=7
    Das "Haus Hessenkopf" dagegen hat es geschafft, sich in die heutige Zeit zu retten.
    http://www.hessenkopf-goslar.de/info...ronologie.html
    Der "Theresienhof" existiert übrigens ebenfalls noch.
    Heute ist es zwar kein Sanatorium für Nervenkranke mehr, sondern ein Altenpflegeheim, aber es ist schön, ein paar "alte Bekannte aus der Vergangenheit" auch im heutigen Goslar noch vorzufinden.
    http://www.theresienhof-goslar.de/

  3. Danke von:

    zeitzeuge (23.02.2015)

  4. #13
    Schießhauer Avatar von AlterSchirm
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    Zitat Zitat von Susanne-K. Beitrag anzeigen
    [/B][I]Anmerkung: waren wir jemals eine Hansestadt ???????
    Die kaiserlich freie Reichsstadt Goslar trat 1267 der Hanse bei und blieb, vor allem wegen des Metallhandels, für ca. 300 Jahre bis 1566 dort Mitglied. Noch heute findet man daher unter den Hansewappen, die das Hamburger Rathaus zieren, auch den Goslarer Adler. Nachdem im Jahr 1552 durch den Riechenberger Dikatatfrieden der Metallhandel der Stadt an Heirich den Jüngeren zu Braunschweig verloren ging, war die Mitgliedschaft in der Hanse nicht mehr nötig und man wurde 14 Jahre später ausgetreten.

    Zitat Zitat von Susanne-K. Beitrag anzeigen
    Der Oberbürgermeister der Reichsbauernstadt Goslar hat das Vorwort unterschrieben. Sein Name ist leider nicht zu entziffern.
    Nach den Gemeindewahlen in Goslar im März 1933 musste der sozialdemokratische Oberbürgermeister Friedrich Klinge, der seit 1917 im Amt war, abdanken. Der neue Gemeinderat wählte daraufhin Heinrich Droste zum neuen OB, der folglich mit der Ernennung Goslars 1936 auch der OB der Reichsbauerstadt war. In dieser Funktion wird er besagte Unterschrift geleistet haben.

    P.S. Goslar war nicht eine Reichsbauerstadt, sondern DIE Reichsbauernstadt, es gab keine andere.

    Ich wusste doch, dass ich noch ein altes Dia vom Hamburger Rathaus habe. Leider ist die Scanqualität nicht so übermäßig gut, aber man kann den Adler über der Figur links neben dem Fenster im Turm auf dem Ausschnitt recht gut erkennen.
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    Geändert von AlterSchirm (14.12.2011 um 20:20 Uhr)
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    Jan

  5. #14
    Schießhauer Avatar von bergland
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    Stichwort : Worthschule hier hingen bis vor einigen Jahren Gedenktafel für Erwin Rommel und Heinz Guderian , als "Erinnerung" an diese zwei ehemaligen Kommandeure der Goslarer Jäger , es gab ja dann eine Disskussion ob man diese Tafeln für die zwei Generäle dort hängenbleiben durften ... sie wurden dann entfernt .
    Wenn man dies nicht wußte ist man dran vorbeigegangen , sie hingen wenn Bergland sich richtig erinnert oben rechts und links der Eingangstür ( kaum zu sehen und die meisten Touris sind auch so dran vorbeigegangen ).

  6. #15
    Schießhauer Avatar von AlterSchirm
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    Es gibt ein kleines Stadtführerheftchen "Rundgang durch die Reichsbauernstadt", von dem wir ein Exemplar besitzen. Da es von einer Gewerkschaft veröffentlicht wurde, ist es politisch gefärbt, bietet aber nichts desto Trotz einen guten Einblick in Goslars braune Vergangenheit. Das Heftchen ist soweit uns bekannt vergriffen, wer Einblick haben möchte kann sich bei uns melden, wir ermöglichen das dann.

    Ja, Bergland, die Tafeln waren da und wurden nach vielen Protesten abgenommen. Zu unserem Bedauern. Denn obwohl wir uns entschieden gegen "Rechts" wenden, ist die Abnahme der Tafeln auch eine Verheimlichung eines Teils unserer Geschichte. Geschichte bleibt Geschichte, auch wenn sie unrühmlich und verwerflich war.
    Alles Liebe
    Jan

  7. #16
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    Standard Erinnerungsstätten + Urteil gegen die Gewalttäter vom 09./10.11. 1938

    Ich weiß nicht, ob wir hierüber schon etwas geschrieben haben.
    An einige Infos zu Gedenktafeln kann ich mich erinnern, bei anderen Informationen bin ich mir nicht sicher, ob wir sie bereits erwähnt hatten.

    Auf der Internetseite "Spurensuche Harzregion", die sich ja mit der Aufarbeitung der braunen Vergangenheit im Harz befasst, habe ich zu Goslar unter dem Link
    http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/11
    folgendes gefunden:

    Zitat:
    Goslar
    Infolge ihrer etwas makabren "braunen" Vergangenheit im 20. Jahrhundert ("Reichsbauernstadt") weist die Stadt Goslar einige Gedenkstätten für die Opfer der Unrechtsherrschaft auf.
    • Mitten in der südöstlichen Altstadt, an der Ecke von Trollmönch und Glockengießer Straße, dort, wo während des III. Reiches das sog. "Judenhaus" stand und nach dessen Abriss 1959 nun ein freier Platz ist, wurde am 9. 11. 1988 eine Tafel angebracht und eine Grünfläche gestaltet, welche die Erinnerung an die während des Holocaust ermordeten Goslarer Mitbürger mosaischen Glaubens wachhalten sollen.
    • 1997 wurde die auf dem Goslarer Friedhof Hildesheimer Straße befindliche Gedenkstätte für die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft neu gestaltet; die Faschismusopfer wurden von den Kriegsgräbern getrennt, der Stein Den Opfern der Gewaltherrschaft 1933 - 1945 wurde zu einem Gräberfeld in Feld IV umgesetzt und als Erinnerungsstätte gestaltet; zum Gräberfeld wurde eine Namenstafel geschaffen. (Den einfachsten Zugang zur Gedenkstätte findet man von der Straße Am Friedhof, an der Eisenbahnunterführung von der Astfelder Straße abzweigend).
    • Am Montag, den 23. 4. 2001 wurde am Bahnhof Oker (heutiges Jugendzentrum "Gleis 95"), dem Harzer Endpunkt des "Großen Todesmarsches" vom KZ Mittelbau-Dora über den Harz, eine Gedenkstele mit Begleittafel der Öffentlichkeit übergeben; begleitend dazu erschien die Spurensuche-Schrift Von "Dora" bis zum Bahnhof Oker: Das Wegzeichenprojekt Westharz und der Marsch des Lebens.
    • Am Freitag, den 21. 6. 2002 wurde in Anwesenheit von Bürgermeister Rüdiger Wohltmann, einigen Mitgliedern des Rates der Stadt Goslar, dem Kommandeur des benachbarten Fliegerhorstes, interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitgliedern des Vereins Spurensuche Goslar e.V. der jüngste Goslarer Gedenkstein eingeweiht. Er steht an der Einmündung der Stapelner Straße in die Grauhöfer Landwehr auf dem Flurstück "Magdeburger Kamp" und soll daran erinnern, dass sich auf dem Gelände über zwei Jahre ein Außenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald befand. Eine metallene Platte gibt über den Sachverhalt Auskunft; die Häftlinge mussten u.a. auf dem nahe gelegenen Fliegerhorst und in der Sandgrube Hahndorf Zwangsarbeit leisten.

    An etlichen Stellen in der Kernstadt weisen Tafeln an Hauswänden auf die Leiden von vor allem jüdischen Mitbürgern in Goslar während des III. Reiches hin

    Kontakte
    Stadt Goslar, Fachbereich Kultur- und Stadtgeschichte, Rosentorstraße 27, 38640 Goslar, Dr. Heidi Roch-Stübler, Tel. 05321/75 78 11, Fax 75 78 75.
    Verein Spurensuche Goslar e.V., Vorsitzender Frank Jacobs, Oberer Triftweg 1, 38640 Goslar, Tel. 05321/41387, Fax 41347.
    Wolfgang Janz, Wasserstraße 15, 38644 Goslar-Hahndorf, Tel./Fax 05321/81429.
    Landkreis Goslar, Referat 12, Dieter Hunstock, Postfach 2020, 38610 Goslar/Harz, Tel. 05321/76-251, Fax 76-99251.


    Weitere Infos:

    Langelsheim
    In Langelsheims Industrie- und Gewerbebetrieben arbeiteten über 1000 Menschen während des 2. Weltkrieges als Fremd- oder Zwangsarbeiter.

    Samtgemeinde Oberharz
    Die Bergstadt Clausthal-Zellerfeld war im April 1945 der Kreuzungspunkt zweier Todesmärsche:

    • Bad Gandersheim - Bad Grund - Clausthal-Zellerfeld - Braunlage - Elend - Wernigerode (Todesmarsch von Bad Gandersheim)
    • Osterode - Clausthal-Zellerfeld - Schulenberg - Oker (Todesmarsch von Mittelbau-Dora).

    Ein Datum für diese Publikation konnte ich nicht entdecken, es kann durchaus sein, dass der Artikel schon etliche Jahre alt ist.

    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

    Des weiteren habe ich ein Urteil gegen die Gewalttäter des 09./10. November 1938 (Urteil vom Oktober 1950) gefunden:
    http://www.spurensuche-harzregion.de...ar/index.php?4
    Es geht auf dieser Internetseite um das Leben und Leiden der Goslarer Juden in der Zeit von 1933 - 1945.
    Die Tafeln stammen von einer Ausstellung in der Marktkirche Goslar im November 2008
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    Der Orientierungsstufe Langelsheim (und Alter Schirm, der die Informationen fand) sie Dank, dass wir hier weitere Informationen geboten bekommen:
    www.geschichtsatlas.de

    Hier lernen wir u.a., dass nach 1948 in Goslar keine jüdische Gemeinde mehr exisitierte. Das Gebäude, in dem die Synagoge untergebracht war, wurde 1959 abgerissen. Heute steht an dieser Stelle das Pressehaus der Goslarschen Zeitung.

    Wir lernen auch, dass zehn Goslarer Juden im Juni 1942 ihre Wohnungen verlassen und im Judenhaus unter großen Entbehrungen ein kümmerliches Dasein fristen mußten. Das Judenhaus befand sich am Trollmönch 3.
    Dank den Schülerinnen und Schülern der Orientierungsstufe Langelsheim erfahren wir, dass Judenhäuser Unterkünfte waren, in denen die jüdischen Bürger unter sehr beengten und menschenunwürdigen Verhältnissen zwangsweise untergebracht waren.
    In diesem kleinen Haus, einem ehemaligen Hirtenhaus, lebten die 10 Personen auf 4 Zimmer verteilt. Die Wohnbebühr betrug 12,00 RM und mußte im voraus beglichen werdne.

    Die SchülerInnen beschreiben eindrucksvoll auf ihrer Seite, wie schwer man den Juden das Leben dort machte und wie die Bevölkerung versuchte, trotz Angst vor Strafe, zumindest die Not der dort wohnenden Kinder etwas zu lindern.

    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
    Weiterhin habe ich Wahlergebnisse aus dem Jahr 1933 gefunden:
    Die Reichstagswahlen vom
    im Stadtkreis Goslar vom
    5. 3. 1933
    Wahlbeteiligung
    93,2 %
    Abgegebene gültige Stimmen,
    insgesamt 15.171
    NSDAP 8.798
    SPD 3.161
    KPD
    915
    Zentrum
    361
    DNVP (Kampffront Schwarz-weiß-rot)
    1.629
    DVP - Deutsche Volkspartei
    112
    Christlich-sozialer Volksdienst
    40
    Deutsche Bauernpartei 5
    D
    eutsch-Hannoversche Partei 90
    DDP (Deutsche Staatspartei) 60
    Andere Parteien - keine
    Link dazu

    http://www.verwaltungsgeschichte.de/goslar.html
    Geändert von Susanne-K. (16.01.2012 um 18:54 Uhr)

  8. #17
    Schießhauer Avatar von AlterSchirm
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    Gerade habe ich noch folgenden Zeitzeugenbericht gefunden:

    http://seniorenbuero-hamburg.de/zeit...ll-goslar-1945
    Geändert von AlterSchirm (21.12.2011 um 12:08 Uhr)
    Alles Liebe
    Jan

  9. #18
    Schießhauer Avatar von AlterSchirm
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    Den folgende Link zu einer Homepage der ehemaligen Langelsheimer Orientierungsschule finde ich beonders wichtig, denn er zeigt, dass eine zielführende Aufarbeitung im Geschichtunterricht möglich ist. Man bedenke, dass die Ersteller der Seiten in der 5. und 6. Schulklasse waren also etwa 11 und 12 Jahre alt.
    http://www.geschichtsatlas.de/~gc27/

    P.S. den anderen Link habe ich so geändert, dass er mit copy + paste aufzurufen ist.
    Geändert von AlterSchirm (21.12.2011 um 12:10 Uhr)
    Alles Liebe
    Jan

  10. #19
    Gezäheschlepper Avatar von Kerl
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    Standard Synagoge in Goslar Bäckerstr. Ecke Vogelsang

    Hallo Mitleser,

    die 1782 nach dem großen Brand errichtete neue Synagoge war an der Ecke Bäckerstr. / Vogelsang und musste unter dem Druck der Nazis an die Stadt Goslar verkauft werden. Ursprünglich sollte das Gebäude wegen der Strassenverbreiterung abgerissen werden. Von 1945 bis 1950 ist sie wieder als Synagoge genutzt, aber wegen Abwanderung der meisten Gemeindemitglieder wurde das Haus verkauft und 1959 abgerissen, und machte dann Platz für den Neubau der Goslarsche Zeitung.

    Das 2. Haus am Trollmönch 3 als Eckhaus, ist auch durch Abbruch von der Bildfläche verschwunden.

    Liebe Grüsse an die Mitleser

    Joachim

  11. #20
    Schießhauer Avatar von AlterSchirm
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    So, ich hab doch gewusst, dass ich noch was über die Kapitulation Goslars habe. Demnach waren es folgende Personen und Ereignisse, die zum Erhalt des historischen Stadtkernes beigetragen haben:

    Am 6. April 1945 wird der Oberst Max Poppe zum neuen Kommandanten in Goslar ernannt. Auf Grund der mindestens 3000 nicht transportfähigen Schwerverletzten in den Goslarer Lazaretten ordnet er an, die Stadt nicht zu verteidigen. So kann der amerikanische Major Rogers, der die Truppe anführte am 10. April kampflos in die Stadt einrücken, obwohl das Oberkommando der Wehrmacht noch am 8. April 1945 den Harz zur "Festung Harz" erklärte, die "bis zum letzten Tropfen deutschen Blutes" zu verteidigen sei.

    Die erste verwaltungstechnische Handlung des Majors war übrigens die Ablösung des OB Droste durch den bisherigen Stadtkämmerer Heinrich Wulfert. Der die Geschäfte der Stadt anschließend etwa einen Monat lang führte, bis Rudolf Wandschneider, ein überlebender Kommunist aus Goslar eingesetzt wurde. (ja richtig, die Amerikaner haben einen Kommunisten zum Bürgermeister gemacht - aber es war ja vor dem kalten Krieg). Im April und Mai 1945 übergaben die Amerikaner Goslar vertragsgemäß an die Engländer.
    Alles Liebe
    Jan

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